Archiv des Autors: Sieglinde Geisel

Über Sieglinde Geisel

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X-Rated

527x675  Tomas Bächli, Pianist

Manche Songs sind regelrechte Hits. Diesen folgt meistens ein sarkastischer Kommentar des Komponisten. Zum sentimentalen „On the Counter“ schreibt Ives: „Obwohl die Gefahr klein ist, soll dieser Song nicht ernstgenommen oder gesungen werden; wenigstens nicht in der Öffentlichkeit“. Das herzzerreissende „In the Alley“ kommentiert er mit der Frage: “Was ist schlechter, die Musik oder der Text?“ Solche Lieder solle man auch keineswegs Schülern zeigen, „ausser als Beispiel dafür, was nicht gesungen werden soll“.

Ganz ernst kann es Ives damit nicht gewesen sein, schliesslich hat er diese Lieder ja selbst veröffentlicht. Die Ironie, die ich heraushöre, bezieht sich weniger auf die Lieder als auf die Person des Kommentators selbst. Es ist ein strafendes Überich, das hier spricht: “Schon wieder hast du’s getan… Was werden wohl deine Kollegen von dir denken!“

Vielleicht ging es ihm einfach um den Werbeeffekt. Denn auch das Verdikt der Geschmackszensur erweckt Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich wusste Ives, dass manche der seriösen Damen und Herren, die auf Konzertpodien auftreten, auch gerne einmal einen Abstecher ins musikalische Rotlichtmilieu unternehmen. Nur für die Zugabe, versteht sich.

Sängerfreundlich

340x453 Monika Brustmann, Sopran

Das Klavier spielt zu Anfang des Lieds “from Paracelsus” moderne Musik, voller Spaß und Lebensfreude. Man hört es gern, aber es ist etwas ganz Neues. Sobald jedoch der Gesang einsetzt, kommen Harmonien, die man auch von Brahms kennt. Das elegische Element ist sofort da. Nach dem Chaos im Klavier lässt Ives uns das Gleichgewicht wieder finden. Das ist sehr sängerfreundlich komponiert: Als Sängerin weiß ich sofort wieder, wo ich mich befinde. Deshalb sind die Lieder von Ives so leicht zu lernen und machen so viel Spaß. Man hat alles, was man sich von einem Komponisten wünschen kann!

Der Marsch der Randständigen gen Himmel

900x650   Niklaus Kost, Bariton

 449x675  Rea Claudia Kost, Mezzosopran

Es ist, als sässen wir im Sommer in unserem Garten. Ein Nachbarjunge übt leidlich Trompete, eine Nachbarin hört bei offenem Fenster klassische Musik, zwei Kinder singen auf der Strasse ein einfaches Lied, durchs geschlossene Fenster der anderen Nachbarn dringt leise Salsa und vom See her dröhnt der Soundtrack des Freiluftkinos.
Ives hätte eine solche Szene zu grandioser Musik machen können. In seinem Lied General William Booth enters into Heaven hören wir den Heilsarmeegründer mitsamt einer bunten Truppe durcheinandermusizierender Randständiger gen Himmel marschieren.